Schnipseltexte: "Marcus Aurelius"

Wie immer vorab:
Wenn ich etwas gerne mache, dann: Zeitung lesen!
Da es, meiner Meinung nach, ausschlie√ülich Qualit√§tsmedien sind, bleibt es nicht aus, dass ich immer wieder auf kurze Text-Ausschnitte treffe, die ich aus verschiedensten Gr√ľnden interessant, denkens-wert, ungew√∂hnlich oder auch irritierend finde.

Mal sind es nur kleine Anekdoten, mal stoße ich auf einen spannenden philosophischen Aspekt. Manchmal finde ich die Zeilen einfach nur skurril oder aber sie bieten mir in dem Moment eine wertvolle Einsicht.

Auf jeden Fall war und bin ich sehr pragmatisch und fotografiere die Stelle ganz simpel mit meinem Handy ab. Ohne weitere Bearbeitung, speichern, fertig. Und lese dann weiter. Seit vielen Jahren schon.

Im Laufe der Zeit sind sicherlich einige Hundert Schnappsch√ľsse dieser kurzen Artikel-Schnipsel entstanden, die ich regelm√§√üig aber unsortiert in diesem Blog "bespreche". Selbst f√ľr mich bleibt es immer wieder spannend, ob und wie ich den fotografierten Ausschnitt noch genauso interpretiere wie zum Zeitpunkt des "Erstkontaktes". Nur eines bleibt gleich: Dass ich die Zeilen f√ľr zu wertvoll halte, um sie schlichtweg zu vergessen.

So oder so ein perfekter Fundus, um diesen Blog f√ľr meine Leser, (hoffentlich) abwechslungsreich und auch ein bisschen √ľberraschend zu gestalten.

Um diesen Schnipsel geht es dieses Mal:
S√ľddeutsche Zeitung, 24.04.2021

Was platzen diese wenigen Zeilen doch vor moralisch-ethischen Leitplanken, die diesem Römer vor nicht ganz 2000 Jahren zugesprochen werden. Und dann auch noch entstanden aus einem inneren Dialog.

Echt jetzt? So ganz ohne √§u√üere Hilfe, nur aus sich selbst heraus, aus purer Einsicht? Einen Best-of-Stapel der bis dahin erschienenen Philosophie-Werke wird er ja kaum t√§glich zum Schm√∂kern aus seinem Regal gezogen haben. So viele Kriege, wie er f√ľhren musste ‚Ķ oder wollte?

Und dann dieses "Verkaisern": Was ein sch√∂nes Wort. Man mag es gleich den ein oder anderen politischen F√ľhrern der Gegenwart entgegenschleudern. Und die restlichen Leitplanken gleich mit ‚Ķ aber nat√ľrlich meine ich die Leitlinien.

Ob das also nun tats√§chlich so war, die Zeilen also authentisch aus der Feder vom guten Marcus A. stammen bzw. dass er auch danach gelebt hat (der Regisseur von "Gladiator" zumindest hat daran geglaubt) sei dahingestellt. Die Beweisf√ľhrung aus diesen Epochen ist ja immer schwierig.

Es ist aber auch einfach egal. Was zählt ist doch der Nachhall und die offensichtliche Richtigkeit seiner Worte.

Er hat wohl alles abger√§umt, was ein gutes Leben ausmachen kann. Ma√ü und Mitte klingen ja noch nach (fr√ľherer) CDU. Gerechtigkeit, Humanit√§t und Verantwortung nach grundlegenden (w√ľnschenswerten) politischen Ma√üst√§ben. Der Einklang des Geistes mit der "Allnatur" mit heutigen Ohren etwas zu esoterisch, aber man wei√ü selbstverst√§ndlich, was er damit (richtiges) gemeint hat.

Und dann dieser "v√∂llig nichtige" Nach-Ruhm: Wenn das die ganzen Diktatoren und M√∂chtegerne auf der Welt doch auch so sehen w√ľrden. Na gut, dann w√§ren sie ja auch keine. Ohne den immer heiklen Gedanken an Nachruhm w√ľrden sie auf jeden Fall viel mehr im gegenw√§rtigen Jetzt leben. Und damit den heute sehr modernen Anspruch an Achtsamkeit erf√ľllen. Man k√∂nnte sp√∂ttisch ihnen zurufen: ‚ÄěLieber Regent, wenn Du beim Regieren deinen Atem h√∂rst, bist Du auf dem richtigen Weg‚Äú. Dann klappt‚Äės auch mit Gerechtigkeit und der "Rede, die niemals l√ľgt".

F√ľr mich den sprichw√∂rtlichen Punkt setzt der Herr Kaiser aber mit dem negativen Imperativ, nicht zu dem zu werden, was der Kaiser ja war: Ein Kaiser. Klingt wie eine tiefere Einsicht in die Abgr√ľnde seines zu elit√§ren Berufes. Als wenn er sich selbst zur Demut ermahnt aber schon ahnt: ‚ÄěDas wird wohl nix!‚Äú

Ich finde trotzdem, solche Zeilen kann man einfach mal so stehen lassen.